... ich keine Angst habe

 

Ein Schauer läuft uns über den Rücken und wir sagen:

aaah, ich habe Angst.

Da sitzt sie bedrohlich vor uns. Sie schaut uns schon ganz gierig an. Können wir das überhaupt sehen? Egal, wir wollen es sehen. Ihre schwarzen Haare stellt sie auf wie ein Hund seine Bürste. Gleich wird sie zum Angriff übergehen und dann .........

sind wir mit einem Haps in ihrem Maul und für immer verschwunden.

 

Die Rede ist von einer harmlosen und wahrscheinlich völlig verängstigten Spinne. Trotzdem haben viele Menschen "Angst" vor Spinnen.

Haben sie mal versucht, mit einem Finger eine Spinne zu berühren? Wenn sie irgendwie fliehen kann, wird sie weglaufen. Weil sie vor dem Menschen als überdimensionalem Feind echte Angst hat.

Okay, es gibt Menschen, die sich so stark in die Ablehnung einer Spinne gegenüber hinein gesteigert haben, dass sie tatsächlich eine krankhafte Angst haben. Eine Phobie wie es korrekt heißt.

 

Angst ist eine Emotion. Genau wie Wut, Trauer oder Ekel. Ist es nicht eher Ekel? Die kleine Spinne zum Beispiel kann uns gar nichts tun. Wenn sie nicht gerade in Australien leben, kann selbst ein Biss sie nicht lebensbedrohlich verletzen.

 

Mit dem Begriff Angst gehen wir sehr inflationär um. Schnell sagen wir: "ich habe Angst" oder "das macht mir Angst" :

Ich habe Angst zu verlieren

ich habe Angst zu versagen

ich habe Angst, ich schaffe das nicht

ich habe Angst, der andere mag mich nicht

ich habe Angst, ich kenne mich ja noch nicht aus

ich habe Angst, ich finde das nicht

 

All das hat nichts mit Angst zu tun. Da zeigen sich andere Emotionen und auslösende Gründe.

 

In diesem Fall sprechen wir von einer unbegründeten Angst.

Unser Kopfkino spielt sofort einen Film in uns ab, der uns verschiedene schreckliche Szenarien vorspielt, die nur auf Informationen von außen beruhen. Wir haben etwas gelesen, gehört oder gesehen. Wir haben es aber nicht selbst erlebt.

 

Egal, was uns "Angst" macht, sollten wir sofort hinterfragen.

Warum entsteht in uns dieses Gefühl.

Könnte es sich auch um ein anderes Gefühl handeln? Vielleicht Ekel oder Furcht?

 

Unbegründete Angst

Eine unbegründeten Angst beruht vorrangig auf gedanklichen Vorstellungen. Sie ist hypothetisch.


Wir entwickeln Hypothesen. Unser Gedankenkarussell erdenkt sich Szenarien, die so gar nicht eintreffen müssen, irrational und unbegründet sind.

 

 

Nehmen wir eine andere Situation.

 

Eine Frau steht vor dem Spiegel und ertastet einen Knubbel in ihrer Brust. Sie wird blass, beginnt zu zittern, gerät in Panik, bekommt Angst.

Sie geht zum Arzt und erhält die Diagnose Krebs. Auch in ihrem Kopf entstehen Szenarien. Sie weint, zittert, kann nicht mehr klar denken.

Sie hat eine begründete Angst, denn diese Diagnose bedroht ihr Leben ganz real.

 

Begründete Angst

Eine begründete Angst entsteht in einer real bedrohlichen Situation, die Leib und Leben gefährdet.

 

In unserem limbischem System, insbesondere in der Amygdala sind noch unsere Steinzeitinstinkte verankert. Bei Bedrohung wird die Lage durch die Amygdala bewertet und wir treffen die emotionale Entscheidung: kämpfen oder fliehen.

 

Pro Angst

Angst gehört genauso zu unseren Emotion wie Freude, Wut, Trauer, Ekel.


Angst kann uns beschützen, da sie uns in Gefahrensituationen warnt.

 

Wer beim Anblick einer dunklen Unterführung Unbehagen spürt und Schlimmes erwartet, sollte lieber einen Weg außen herum nehmen.

Wer bei einem Spaziergang an der Küste oder in den Bergen an einen Abgrund kommt, bekommt den Impuls, zurück zu treten und auf sicherem Gelände zu bleiben.


Eine gesunde Angst macht uns aufmerksamer und vorsichtiger. In Gefahrensituationen versetzt Angst den Verstand und den Körper in eine reaktionsfähige Anspannung.

 

 

Kontra Angst

Unbegründete Angst, also hypothetische Angst, die nur in unseren Gedanken entsteht, kann uns ernsthaft krank machen.

 

Eine unbegründete Angst ist latent vorhanden und beeinträchtigt unsere Lebensqualität, unsere körperliche Gesundheit, unser soziales Zusammenleben.


Wenn sie bemerken, dass sie ohne konkrete Situation plötzlich oder öfter ängstlich reagieren, können sie dagegen wirken, falls sie noch keine Angststörung entwickelt haben.


Bei einer unbegründeten Angst ist es manchmal hilfreich, sich die Situation bis hin zum Worst Case auszumalen. Stellen sie sich das schlimmste Szenario vor. Zum Beispiel die Spinne vor ihnen, die sie mit Haut und Haar verschlingt. Vielleicht erkennen sie, wie absurd ihre Gedanken sind.


Fragen sie sich, warum dieses bedrohliche Gefühl auftritt. Woher stammen die Informationen, die sie zu dieser Emotion veranlassen.


Setzen sie sich mit ihrem Gefühl auseinander und nehmen sie es nicht einfach nur als gegeben hin.


Geben sie ihrer Emotion nicht nach, damit sie sich nicht manifestieren kann und sie eine Störung entwickeln können.


Sprechen sie über ihre Gefühle, Sorgen und Bedenken mit einer Vertrauensperson.

 

therapeutische Hilfe

Wenn sich eine unbegründete Angst bereits zu einer Angststörung entwickelt hat, sie alleine nicht mehr ihre Angst kontrollieren können und die Angst bereits ihren Alltag beeinträchtigt, nehmen sie therapeutische Hilfe in Anspruch.


Bei einer Angststörung können körperliche Begleitsymptome auftreten.
Körperliche Begleitsymptome können unter anderem Schlafstörungen, andauernde Kopfschmerzen, Schwindel oder verminderte Belastbarkeit sein.